Business über den Wolken

Kurze Wege, flexible Abläufe und ein direkter Zugang zu regionalen Märkten – Regionalflughäfen sind längst mehr als nur Anbieter touristischer Rundflüge. Sie sind strategische Partner der Wirtschaft

Von 23 bayerischen Verkehrslandeplätzen befinden sich vier in Niederbayern: Die Standorte Eggenfelden, Landshut, Straubing-Wallmühle und Vilshofen. Sie zeigen eindrucksvoll, welche Bedeutung leistungsfähige Regionalflughäfen heute für mittelständische Betriebe haben: Sie stärken die Mobilität, erleichtern den Zugang zu Kunden und Lieferanten und schaffen damit konkrete Wettbewerbsvorteile unmittelbar vor der Haustür. Sie bereichern den Wirtschaftsstandort und fügen der multimodalen Verkehrsinfrastruktur eine wichtige Komponente hinzu.

Die niederbayerischen Verkehrslandeplätze verbinden ihre traditionelle Rolle im Luftverkehr dabei mit ambitionierten Zukunftsvisionen: Sie transformieren sich zu multimodalen Plattformen, die Luftfahrt, erneuerbare Energie und Schienen- oder Straßenverkehr integrieren. Dank der engen Verzahnung von Transportwegen und Energieinfrastruktur kann nicht nur der Personen- und Güterverkehr beschleunigt werden – es entstehen auch neue Geschäftsmodelle für regionale Unternehmen. Für Unternehmer bedeutet das konkret: bessere Erreichbarkeit, reduzierte Logistikkosten und Zugang zu innovativen Netzwerken im Bereich „grüner Mobilität“. Von attraktiven Angeboten und Reiserouten für Mitarbeiter ganz zu schweigen.

Gerade in Bayern gewinnen die Verkehrslandeplätze mit der zunehmenden Praxis elektrischer Kurzstreckenflüge an Attraktivität und präsentieren sich als Innovations- und Nachhaltigkeitstreiber für die gesamte Region. Die Flugplätze stehen vor spannenden Zukunftsaufgaben. Von moderner Infrastruktur über digitale Services bis hin zu nachhaltigen Luftverkehrslösungen entstehen Chancen, die für Unternehmer weit über den reinen Transportnutzen hinausgehen: Lieferketten können resilienter aufgestellt, Geschäftsreisen flexibler geplant und Kundenkontakte individueller gepflegt werden. Die Standorte, die im Folgenden näher beleuchtet werden, nutzen diese Dynamik, um sich als leistungsstarke Knotenpunkte einer zukunftsfähigen regionalen Wirtschaft zu positionieren – und zeigen, wie regionale Flugplätze die Herausforderungen der Zukunft heute meistern.

„Ein integraler Teil der Daseinsvorsorge“

Der Verkehrslandeplatz Eggenfelden ist einer von vier Verkehrslandeplätzen in Niederbayern mit einer wichtigen Erschließungsfunktion für die gesamte Region Ostbayern. Im Dreieck München-Passau-Salzburg gelegen, ist er der einzige Flugplatz, der mit einer Zulassung für den Instrumentenflugbetrieb (IFR) ausgestattet ist.

„Eggenfelden kann bei fast allen Wetterbedingungen angeflogen werden“, sagt Geschäftsführer Ludwig Zeiler. Vor allem für den Werks- und Geschäftsreiseverkehr ist Eggenfelden ideal. Die Startbahn, über einen Kilometer lang und 23 Meter breit, kann von kleinen Privatflugzeugen über Geschäftsreiseflugzeuge bis hin zu großen Militärtransportern wie z.B. dem Airbus A400M genutzt werden.

Die wirtschaftliche Bedeutung des Verkehrslandeplatzes Eggenfelden zeigt sich unter anderem daran, dass es keine Wartezeiten für Geschäftsflüge gibt. Die An- und Abreise erfolgt unmittelbar am Vorfeld. Selbst Flüge außerhalb der EU sind durch eine nahtlose Zusammenarbeit mit den örtlichen Behörden wie Grenzpolizei und Zoll problemlos möglich.

Der Flugplatz Eggenfelden verzeichnet jährlich rund 30.000 Flugbewegungen. Am Platz befinden sich mehrere zertifizierte Ausbildungsorganisationen sowie flugtechnische Wartungsbetriebe, Flugsportvereine und ein italienisches Restaurant. Auch Fallschirmspringer sind am Flugplatz stationiert, die neben einer Fallschirmsprungausbildung unter anderem Tandemsprünge anbieten.

Aufgrund seiner Leistungsfähigkeit wurde der Flugplatz Eggenfelden auch als Schwerpunktlandeplatz ausgewiesen. „Das bedeutet, dass er als Landeplatz besonders für Rettungshubschrauber geeignet ist, regelmäßig genutzt wird und eine entsprechend hohe technische Ausstattung aufweist“, erläutert Ludwig Zeiler. Nicht zuletzt während des Hochwassers 2016 zeigte sich seine infrastrukturelle Bedeutung, als Eggenfelden der Stützpunkt für zahlreiche Rettungseinsätze war. Ebenso dient er das ganze Jahr über als Ausgangspunkt für Ambulanz- und Transplantationsflüge sowie für Beobachtungsflüge der Luftrettungsstaffel Bayern, um die Waldbrandgefahr besser einschätzen zu können. Das alles zeigt, warum ein ununterbrochener, ganzjähriger Betrieb notwendig ist: „Es geht nicht nur um ein Hobby oder Liebhaberei. Der Flugplatz Eggenfelden ist ein integraler Teil der Daseinsvorsorge“, so Zeiler.

Eine besondere und vor allem kostenintensive Herausforderung stellen die hohen Auflagen im Hinblick auf die Luftsicherheit, die Hindernisfreiheit rund um den Flugplatz, die Instandhaltung der flugsicherungstechnischen Anlagen sowie die Gewinnung und Lizenzierung von Personal dar. Doch Zeiler zeigt sich optimistisch: „Um auch in Zukunft einen sicheren und wirtschaftlichen Standort zu erhalten, setzen wir regelmäßig Maßnahmen seitens der Behörden sowie eigene Verbesserungen um. Dazu zählt eine Erweiterung des Instrumentenanflugverfahrens, nicht zuletzt, um Anflüge zu verkürzen und damit Lärm und Emissionen zu verringern. Die Themen Lärmschutz und Nachhaltigkeit adressieren wir beispielsweise durch die Anschaffung von Lademöglichkeiten für Elektromobilität.“

Logistische Schlüsselfunktion für die Gesamtregion

Der Verkehrslandeplatz Straubing-Wallmühle hat eine Erschließungsfunktion für ganz Ostbayern. Jährlich werden etwa 60.000 Passagiere bei rund 30.000 Starts und Landungen abgefertigt und betreut. Der Anteil des Geschäftsreiseverkehrs beträgt dabei etwa 50 Prozent. In elf Hallen sind etwa 120 Flugzeuge stationiert. „Unsere moderne Infrastruktur, die präzise auf die Anforderungen von Geschäfts-, Charter- und Einsatzflügen ausgerichtet ist, schafft ein hohes Maß an Flexibilität und macht uns zu einem entscheidenden Baustein regionaler Wettbewerbsfähigkeit“, sagt Geschäftsführer Florian Kindzorra.

Das zeigt sich auch an der Zahl von 30.000 Flugbewegungen pro Jahr, wobei die Hälfte davon auf den gewerblichen Flugverkehr entfällt. Unternehmen der Region profitieren von kurzen Wegen, planbaren Abläufen und der Möglichkeit, Mitarbeiter, Kunden oder Partner schnell und direkt zu erreichen. Straubing-Wallmühle bietet unkomplizierten und – mittels Anbietern wie FlyVINI und MB Flight Services – individualisierten Zugang zu einer leistungsfähigen Verkehrsinfrastruktur. Ein Vorteil, der besonders für exportorientierte Branchen, Forschungseinrichtungen oder spezialisierte Mittelständler von Bedeutung ist.

Auch für die Mobilität der Gesamtregion erfüllt der Flugplatz eine wichtige Rolle. Er erweitert das Mobilitätsangebot über Straße und Schiene hinaus und schafft Reisemöglichkeiten, die unabhängig von Fahrplänen, Strecken oder Umsteigezeiten funktionieren. „Dadurch wird der ländlich geprägte Raum enger an europäische Zentren angebunden und gewinnt an Attraktivität für Unternehmen, Fachkräfte, Investoren und Tourismus“, ist Kindzorra überzeugt.

Insbesondere mit Blick auf überlastete Straßen und Schienen könne sich der regionale Flugverkehr als flexible Alternative positionieren. Besonders hervorzuheben ist laut Kindzorra die Relevanz des Flugplatzes für zeitkritische Einsätze. Ob Organtransporte, eilige Ersatzteile für Produktionsanlagen, medizinisches oder technisches Fachpersonal: Straubing-Wallmühle ermöglicht schnelle Reaktionszeiten und – auch unterstützt durch Instrumentenanflugverfahren – zuverlässige Verbindungen zu über 1.500 Zielen in Europa. Auch für Geschäftskunden, die mehrere Termine an einem Tag wahrnehmen müssen, bildet der Standort eine logistische Schlüsselfunktion. Mit namhaften luftfahrtaffinen Unternehmen am Standort, die über 350 Arbeitsplätze bereitstellen, ist der Flugplatz selbst auch Heimat für Innovation und Wirtschaftskraft.

Mit der Auszeichnung als „Blühender Betrieb“ und durch staatlich unterstützte Initiativen wie die bayerische E-Flugstrecke oder Bavaria Bio Fuels, einem Pilotprojekt zur Herstellung von nachhaltigem Kerosin und Diesel, sind Flugverkehr und Umweltverträglichkeit keine Gegensätze mehr. „Wir sorgen dafür, dass Ostbayern mobil, wirtschaftlich dynamisch und in kritischen Situationen handlungsfähig bleibt – heute und in Zukunft“, zeigt sich Kindzorra optimistisch.

Ein wichtiger Standortfaktor

Der Verkehrslandeplatz Landshut konnte 2023 sein 60-jähriges Bestehen feiern. Nach seiner offiziellen Einweihung im Jahr 1963 erfuhr er kurze Zeit später die ersten wesentlichen Erweiterungen. So wurde 1967 eine Luftaufsichtsstelle eingerichtet, die den kontinuierlichen und sicheren Flugbetrieb gewährleistete.

Ein besonderes Kapitel in der Flugplatzgeschichte schrieb der spätere Bayerische Ministerpräsident und bekennende Hobbypilot Franz Josef Strauß. Er absolvierte in Landshut seinen ersten Alleinflug. 1969 wurde der Flugplatz Landshut zum Zollflugplatz ernannt. Damit war es möglich, internationale Flüge mit Zollabfertigung abzuwickeln. Inzwischen verzeichnet der Flugplatz Landshut knapp 30.000 Flugbewegungen pro Jahr. Die Entwicklungen reißen nicht ab. „Die Fliegerei war und ist schon immer ein Feld für Pioniere und Menschen, die Neues wagen. Und auch wir beschreiten bald wieder neue Wege, denn der Flugplatz Landshut ist Teil der bayerischen E-Flugstrecke“, sagt Geschäftsführer Stefan Brandl. Die E-Flugstrecke, gefördert durch das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr, soll ein engmaschiges Netzwerk von Flugplätzen schaffen, um den elektrischen Flugbetrieb zu unterstützen. Den Flugplatz Landshut zukunftsfest zu machen ist Brandl ein besonderes Anliegen: „Wir bieten viele unterschiedliche Leistungen, sei es für die Privat- und Berufspilotenausbildung, den Katastrophenschutz oder Flüge für die Luftrettungsstaffel Bayern. Außerdem sind wir als Schwerpunktlandeplatz ein Teil der infrastrukturellen Daseinsvorsorge. Man denke nur an Ambulanz sowie behördliche Flüge, an Medikamenten- oder Organtransporte per Flugzeug, da müssen wir uns immer weiterentwickeln.“ Aber vor allem größere Erweiterungen stoßen laut Brandl schnell an politische und finanzielle Grenzen.

Staatliche Zuschüsse sind nur unter bestimmten Bedingungen erlaubt und werden oft nur zeitlich befristet gewährt. Dabei bietet der Flugplatz Landshut für die örtliche Wirtschaft viele Vorteile: eine schnelle Erreichbarkeit für Geschäftspartner, Materialtransporte oder Werksflüge. Individuelle Flugzeiten, kurze Wege vom Parkplatz zum Flugzeug und eine schnelle Abfertigung stärken die Effizienz von Geschäftsreisen. Die direkte Anbindung an deutsche und europäische Ziele ermöglicht beispielsweise zeitkritische Kundenbesuche. Ein weiterer positiver Faktor ist die verkehrsgünstige Anbindung an die A 92 und die Stadt Landshut sowie die schnelle Erreichbarkeit von München.

Für Teamevents und besondere Erlebnisse stehen Rundflüge mit Motorflugzeugen, Hubschraubern und historischen Flugzeugen zur Verfügung. Die Gastronomie mit Sonnenterrasse direkt am Vorfeld bietet den perfekten Rahmen für Events aller Art, von privaten Feiern bis zu geschäftlichen Anlässen. Geschäftsführer Brandl ist sich sicher: „Die regionalen Flugplätze im Allgemeinen und Landshut im Besonderen werden in Zukunft ein noch wichtigerer Standortfaktor sein.“

Artikelnr: 320094